Donnerstag, 9. November 2017

Lauter Weite Wege

Der Weg des Rechtskonservativen Bernhard C. Wintzek und seiner Zeitschrift "Mut"

Unsere Reihe "Lauter Weite Wege" (frühere Beiträge: 1-3) soll durch einen weiteren Beitrag ergänzt werden, nämlich einen zu dem rechtskonservativen Publizisten Bernhard C. Wintzek (geb. 1943) (Wiki). Mit etwa 16 Jahren wird es gewesen sein, um das Jahr 1983 herum, als der Blogautor ein eifriger Leser seiner Zeitschrift "Mut" (Wiki) gewesen ist. Damals kam er sich dabei irrsinnig toll vor. Er hat, wenn er sich recht erinnert, dem Empfang einer neuen Folge teilweise sogar entgegen gefiebert. Das war alles so bunt, so neu, so frisch, was da geschrieben wurde. Es war die gleiche Zeit, in der man auch Karl Hoefkes' (geb. 1954) (Wiki) "Träumer, Streiter, Bürgerschreck" (1982) in die Finger bekommen hatte und in der man sich von diesem das eigene Lebensgefühl nicht unbedeutend beeinflussen ließ.
Laßt mich nur in meinem Sattel gelten
bleibt in euren Hütten euren Zelten
und ich reit froh in alle Ferne
über meiner Mütze nur die Sterne.
So sagte man sich mit Goethe, sattelte seine Rosinante (eine Haflingerstute namens Lilofee) und tat es denn auch dem Goethe gleich. In der jugendlichen Stimmung jener Zeit nahm man denn auch die Zeitschrift "Mut" wahr. Sie flößte einem doch manches Selbstbewußtsein ein. Das führte zum Beispiel dazu, daß man im Geschichtsunterricht die Politik Bismarcks gegenüber den Einschätzungen derselben durch unseren linksliberalen, aber sehr differenziert argumentierenden Lehrer Lechler widersprach. Noch erstaunter war man allerdings, als einer der Kollegen von Herrn Lechler, im Geschichtsunterricht Kopien eines Aufsatzes aus dieser Zeitschrift verteilte. Er sagte nicht, woher er den Aufsatz hatte. Es war einem aber ganz klar und es war einem zumute wie bei Wilhelm Busch:
"Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid - und allen macht's Vergnügen!"
Abb. 1: Büchlein des Jahres 1975
In der aktuellen Ausgabe des "Informationsbriefes der Bibliothek für Konservatismus" wird man nun darauf hingewiesen (4), daß diese Zeitschrift ihr Erscheinen im August 2017 eingestellt habe. - Was, jetzt erst? Sie war schon lange der Wahrnehmung entglitten. Wohl noch in den 1980er Jahren, als sich die Zeitschrift äußerlich immer mehr in eine Kunstzeitschrift verwandelte und in ihr vermehrt vor allem betulich Schöngeistiges zu lesen war. Auch drang einem das Gerücht ans Ohr, daß der Herr Wintzek teure Autos fahren würde. Anfangs war man ja noch begeistert, in der Zeitschrift so reichhaltig Gemälde der europäischen Kunstgeschichte wieder zu finden. Aber irgendwann einmal nahm das Ganze einem doch überhand. - Dennoch: Erinnert man sich an "Mut", assoziiert man damit gleich eine ganze Menge des Stimmungsgehaltes, von dem man damals erfüllt war. Die Wiedervereinigung war noch in weiter Ferne, niemand glaubte noch an sie oder erwartete sie. Bis auf einen selbst, Prinzessin Lilofee - und die Zeitschrift "Mut".

Tja, und was kann dann aus Träumen alles werden. - Nun gut. Und was liest man heute auf Wikipedia? Zum Schluß hat sogar "Extremismusforscher" Armin Pfahl-Traughber höchstselbst in dieser Zeitschrift publiziert, da sie sich schon seit langem zu einer "liberal-konservativen" gewandelt hätte!! Wenn das kein Lackmus-Test für staatsnahe Linientreue ist, welcher soll es dann noch sein? Aber: Wahrlich ein weiter Weg. Von der NPD zu Armin Pfahl-Traughber, wahrlich, wahrlich! Er ist also möglich. Und es ist nie zu spät, auf den Weg der Tugend zurück zu kehren!!! Zahlreiche CDU-Politiker wie Friedrich Zimmermann, Helmut Kohl, Horst Köhler haben für diese Zeitschrift geschrieben oder auch Leute wie Ralf Dahrendorf, Ralph Giordano. Nun, 10.000 Abonennten wollen unterhalten werden. Und mit Deutschen kann man freilich allerhand machen, zumal, wenn sie sich in ihrem Gemüt ein "patriotisches" Hinterstübchen aufbehalten haben, wohlgemerkt: ein Hinterstübchen.

Die Zeitschrift weckt Jugenderinnerungen


Es beschleicht einen ein komisches Gefühl, zwischen einstigen "Träumern, Streitern und Bürgerschrecks" nun solche Leute wieder zu finden. Gott hab sie und Herrn Bernhard C. Wintzek selig, möchte man denken. Der genannte "Informationsbrief", verfaßt von - oder im Sinne von - Karlheinz Weißmann und Dieter Stein, läßt die Geschichte dieser Zeitschrift folgendermaßen Revue passieren (4):
Kaum eine politische Zeitschrift in Deutschland hat in den Jahren ihres Bestehens weltanschaulich einen so weiten Weg zurückgelegt wie die Monatszeitschrift Mut.
Und eine solche Beurteilung will etwas heißen, wenn man von den ach so vielen "weiten" Wege weiß der rechtsrevolutionären Denker der Generation von Bernhard C. Wintzek. Von diesen Wegen haben wir ja hier auf dem Blog schon einige nachvollzogen (1-3). Weiter heißt es (4):
Mit Beginn der 1980er Jahre dann wandelte sich das Blatt: Schrille politische Töne traten mehr und mehr in den Hintergrund,
... also "schrille politische Töne" wie die Aussage "Unsere Väter waren keine Verbrecher" natürlich (siehe Abb. 1) ...
die Gestaltung wurde deutlich gediegener, so daß der Leser Mitte der achtziger Jahre ein inhaltlich wie  optisch hochwertiges Magazin in den Händen hielt - was sich fortan auch im Preis niederschlug. Die  nun folgenden Jahre können als die  produktivsten des Blattes angesehen werden, zumal die Autorenschaft einem Who‘s who konservativer Publizistik glich: Von dem kaum 30jährigen Studienrat  Karlheinz Weißmann über die Germanistin Gertrud Höhler, den Politikwissenschaftler Klaus Hornung, den Sozialphilosophen Günter Rohrmoser, den Historiker Werner  Maser, den Soziologen Ernst Topitsch bis hin zu Ernst Jünger reichte der Reigen der Autoren. Eine  besondere  Note  erhielt Mut durch die regelmäßigen Beiträge des  konservativen Publizisten Gerd-Klaus Kaltenbrunner. Er verlieh den Heften eine  „abendländische“ Grundierung, die sich in zahlreichen philosophischen, theologischen und kulturgeschichtlichen Betrachtungen niederschlug, aber auch von Esoterischem nie ganz frei war. Mit Beginn der neunziger Jahre häutete sich Mut ein weiteres Mal.  Konservative verschwanden zusehends aus der Autorenliste, und das Blatt öffnete sich immer mehr für liberale, später auch linke Autoren. Infolge einer schweren Erkrankung Wintzeks mußte Mut im August 2017 mit Heft 591 eingestellt werden.
Statt "Lauter Dritte Wege" wie Karlheinz Weißmann im Jahr 2000 einmal eine Festschrift für Armin Mohler genannt hat (herrje, von dort führte der Weg auch schon wieder sooooo weit weg), möchte man da doch dann heute schon eher sagen: Lauter Weite Wege. Und Wege immer Drumherum um nachhaltige kulturelle und demographische Sicherung des Überlebens der Völker der Nordhalbkugel.
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  1. Bading, Ingo: Alain de Benoist - Er hat "biologische Fragestellungen" "allzu sehr in den Vordergrund gerückt" - Früher, liebe Freunde, früher! Heute weiß er es besser! Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 7. Oktober 2015, http://studgenpol.blogspot.de/2015/10/alain-de-benoist-er-hat-biologische.html
  2. Bading, Ingo: Alain de Benoist - Ein rechtskonservativer Hijacker. Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 11. Oktober 2015, http://studgenpol.blogspot.de/2015/10/alain-de-benoist-ein.html
  3. Bading, Ingo: Henning Eichberg ist gestorben - Ein Rückblick auf seine mysteriöse geistige Entwicklung - Sein Weg von einem sehr fortschrittlichen, ja revolutionären politischen und wissenschaftlichen Denker hin zu einem immer noch - immerhin - anregenden Denker. Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, Juni 2017, http://studgenpol.blogspot.de/2017/06/henning-eichberg-ist-gestorben-ein.html
  4. o.V.: Mut. In: Agenda, Informationsbrief der Bibliothek des Konservatismus, Ausgabe 8, Oktober 2017, https://www.bdk-berlin.org/wp-content/uploads/2017/10/AGENDA-9-Onlineversion.pdf 
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