Samstag, 31. Oktober 2009

Wittenberg - eine der deutschesten deutschen Städte

Abb. 1: Lutherporträt im vormaligen Wohnhaus Luthers in Wittenberg
Welcher kultur- und geschichtsbewußte Deutsche wäre noch nicht in Berlin gewesen? Oder in Postdam? Tübingen besucht man, um Friedrich Hölderlin nahe zu sein. Jena, um Friedrich Schiller, Weimar, um Goethe nahe zu sein. Salzburg, um Mozart nahe zu sein. Und Wien sowieso. Alles Städte, die noch recht lebendig im deutschen Kulturbewußtsein weiterleben.

Daß man Königsberg besuchen müßte, um Immanuel Kant nahe zu kommen oder Thorn und Frauenburg um Nikolaus Kopernikus' willen, das ist heute den Menschen in Deutschland nicht mehr so bewußt wie vor 1945. Ähnliches wird von Breslau oder Prag zu sagen sein.

Es gibt aber noch so die eine oder andere weitere deutsche Stadt, an die man sich erst heftig erinnern muß, um sich geschichtlich längst in den Hintergrund Getretenes wieder bewußt zu machen. Dies gilt auch für die deutsche Stadt Wittenberg an der Elbe. Die Stadt der Reformation. Die Stadt Martin Luthers. Am Eingang dieses Beitrages ein Gemälde, das heute im Wohnhaus von Martin Luther im ehemaligen Augustinerkloster in Wittenberg hängt.

"Für meine Deutschen bin ich geboren und diene ihnen auch."

Das sagte Martin Luther. Und eine Tagung versucht "Der Deutschen Luther" an diesem Wochenende - aus Anlaß des Reformationstages - auch in Wittenberg wieder einmal auf den Grund zu gehen. Abgesandte Vertreter der "christlichen Weltgemeinschaft" weltweit nehmen an dieser Tagung teil. Für sie bedeutet Wittenberg noch etwas. Aber für uns Deutsche selbst?

Wittenberg ist eine übersichtliche Stadt. Sie ist viel schneller zu durchwandern als etwa Rothenburg ob der Tauber. Aber an jeder Straßenecke wird man - im Gegensatz zu Rothenburg ob der Tauber - daran erinnert, daß man sich hier in einer Stadt befindet, in der Weltgeschichte gemacht worden ist. Von einem einfachen Augustinermönch. Hier einige, fast nur willkürliche Beispiele:



Der bedeutende italienische Philosoph Giordano Bruno kam nach Wittenberg und rühmte die deutsche Wissenschaft und Gelehrsamkeit. Hier in Wittenberg würde also ein Giordano Bruno-Denkmal hingehören, nicht an den Potsdamer Platz in Berlin (s. St. gen.), wo Giordano Bruno nie gewesen ist, weil von einem "Gelehrtenruhm" der Stadt Berlin vor 1600 noch niemandem etwas bekannt war.

Der spanische Kaiser Karl V., der russische Zar und der französische Kaiser Napoleon waren in Wittenberg. Sie alle kamen, um Luthers Grab in der Schloßkirche zu besuchen - an dem einen Ende der Stadt - und Luthers Wohnhaus im großen, ehemaligen Augustinerkloster am anderen Ende. Beide eine Viertelstunde Gehweg durch die Hauptstraße der Stadt voneinander entfernt. Herzog Alba riet seinem Kaiser Karl während ihres Besuches (im Schmalkaldischen Krieg), die Gebeine Luthers auszugraben und sie wegen Ketzerei zu verbrennen. Karl V. ging - vielleicht ein wenig wehmütig gestimmt? - auf diesen Vorschlag nicht ein.

Doch zeigt dieser Vorschlag zum anderen, daß nicht alle Besucher Wittenbergs immer und jeder Zeit freundlichen Sinnes in diese Stadt gekommen sind. Wittenberg steht für "das Rom des Nordens", steht für Konkurrenz, steht für Ketzertum.

Und in der Tat: Wenn man heute vom Bahnhof kommt, stößt man schon vor dem Stadttor auf die Eiche, die an den Ort erinnert, an dem Martin Luther 1520 die Bannandrohungsbulle des römischen Papstes öffentlich verbrannte. Welch ein weltgeschichtlich bedeutsamer Ort! Was bedeutete es damals, eine Bulle des Papstes öffentlich zu verbrennen. Und was für weltgeschichtlich bedeutsame Ereignisse in einer äußerlich so unauffälligen deutschen Landstadt. Eine Stadt, die längst vergessen zu sein scheint im deutschen Kulturbewußtsein.

Abb. 2: Reformationstag in Wittenberg
Heute war Reformationstag. Die Straßen und Plätze in Wittenberg sind an diesem Tag traditionell überfüllt. Seit der "Wende" ist Wittenberg wieder eine schöne Stadt geworden. Eine sehenswerte. Und da Wittenberg mit dem "Intercity" für einen Berliner nur eine halbe Stunde "vor der Stadt" liegt, haben auch wir uns einmal dorthin aufgemacht, um uns umzusehen an jenem Ort, dem Menschen wie Giordano Bruno oder Friedrich Schiller so große Hochachtung entgegen gebracht haben.

Abb. 3: Der Marktplatz in Wittenberg


Abb. 4: An der Stadtkirche, in der Luther gepredigt hat


Abb. 5: Die originale Inneneinrichtung von Luthers Wohnzimmer
Der Tisch, an dem Martin Luther seine berühmten Tischreden geführt hat. Und an dem er seine Lieder gesungen hat. Der Tisch, an dem das kulturgeschichtlich so einflußreiche Phänomen des protestantischen Pfarrhauses begründet wurde. Wer hätte gedacht, daß das alles noch original erhalten ist im Lutherhaus in Wittenberg. Und so vieles andere mehr ist zu sehen in diesem ehemaligen Augustinerkloster und der dort eingerichteten Ausstellung "Martin Luther - Leben, Werk, Wirkung". Eigentlich hatte man sich das Wohnhaus von Luther auch viel kleiner, bescheidener vorgestellt.

Aber in den letzten Jahren ist dort die umfangreiche Wirtschaftsführung der Katharina von Bora museal in vorbildlicher Weise aufgearbeitet worden. Katharina von Bora, verheiratete Luther, kaufte sich nach und nach mit ihrer Wirtschaftsführung auf dem ehemaligen Augustinerkloster den größten Bauernhof Wittenbergs zusammen. Anhand der jüngst getätigten Ausgrabungen rund um das Arbeitszimmer Martin Luthers an der Stadtmauer und die dort ebenfalls befindliche Latrine hat man mancherlei neue Erkenntnisse gewinnen können auch über das häusliche Leben im Hause Martin Luthers.

Abb. 6: Die Totenmasken von Martin Luther; Schrift Mathilde Ludendorffs
Neben vielem anderen - etwa einer riesigen Bibliothek von Erstdrucken aller Schriften Martin Luthers - sind in der Ausstellung auch die Totenmasken von Martin Luther zu sehen. Zusammen mit einer Schrift der völkischen Hintergrundpolitik-Kritikerin Mathilde Ludendorff, die in den 1930er Jahren viel Wirbel verursacht hat: "Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller - Ein Beitrag zur Deutschen Kulturgeschichte" (1). (In diesem wurde die These vertreten, daß Martin Luther durch Okkultlogen, zum Beispiel dem Rosenkreuzer-Orden, ermordet worden ist.) Aber auch sonst werden viele Zeugnisse aus der 500-jährigen Geschichte des deutschen Luther-Gedenkens gezeigt. Diesen ist auch das eingangs gebrachte Luther-Porträt entnommen.

2017 ist der 500. Jahrestag des Anschlags der 99 Thesen an die Schloßkirche von Wittenberg, des Beginns der Reformation in Deutschland und Europa. Und damit des Beginns der Neuzeit. Auch Deutschland könnte sich seines großen Reformators häufiger erinnern, als das gewöhnlicherweise getan wird.

Protestantische Ethik

In den letzten Jahren ist ja auch plausibel nahegelegt worden, daß die reformatorische Grundeinsicht von Martin Luther und damit die weltgeschichtlich einflußreiche protestantische Ethik (s. St. gen.) gar nicht auf der Bibel selbst beruht, sondern auf einer Bibelinterpretation durch Martin Luther, die mit der eigentlichen Bibel wenig zu tun hat (St. gen.). Damit hat Martin Luther die Deutschen und die Welt der Sache nach und im Kern von der Bibel weggeführt - nicht zu ihr hin. Das heißt: die angebliche "Gnadenlehre des Paulus" im Sinne des Protestantismus stammt gar nicht von Paulus (der ganz im jüdischen, ethnozentrischen Denken befangen war, auch dann, wenn er von "Gnade" sprach), sondern von: Martin Luther. Daß die Stadt Wittenberg heute in der deutschen Erinnerung das träumerische Dasein eines wenig bekannten Landstädtchens schläft, ist auch ein Ausdruck der Tatsache, daß sich die Deutschen viel zu wenig mit der Bibel beschäftigen und mit den vielen - falschen - Bibelübersetzungen ihres großen Deutschen Martin Luther.

Aus einer solchen Beschäftigung würde nämlich deutlich: Aus einer Welt voll Irrwahn hat sich der neuzeitliche Geist emporgerungen, nach und nach. Friedrich Hölderlin ahnte, daß die in der Neuzeit gewonnenen neuen revolutionären, philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse und auch die daraus entspringenden neuzeitlichen Sprachschöpfungen "bald wie ein Hund umgehen werden in der Hitze auf den Gassen der Gärten", bevor die Menschen - "aus Zweifel und Ärgernis" - sich wieder zurück an die Gottheit wenden, an eine Gottheit, die immer schon anwesend war und immer anwesend sein wird, so nah auch immer sich die Menschen über Jahrhunderte hinweg am Abgrund des Irrwahns und der Gottleugnung entlang bewegen mögen:
Vom Abgrund nämlich
haben wir angefangen
und sind gegangen dem Leuen gleich,
in Zweifel und Ärgernis,
denn sinnlicher sind Menschen
im Brand der Wüste,
lichttrunken,
und der Tiergeist ruhet mit ihnen.
Bald aber wird, wie ein Hund,
umgehn in der Hitze meine Stimme
auf den Gassen der Gärten
In denen wohnen Menschen
In Frankreich ....
_______________________________________
  1. Ludendorff, Mathilde: Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller. Ein Beitrag zur Deutschen Kulturgeschichte. Im Selbstverlag der Verfasserin (Fortschrittliche Buchhandlung), München 1928 (96 S.) (Scribd), 1929, Ludendorffs Volkswarte Verlag, München 1931, 1933 (156 S.), 1935, 1936 (212 S.) (52. - 55. Tsd.); Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1998, 2003

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Impressionen von der Spree

Wie kann man einen Bezug herstellen zu dieser merkwürdigen Stadt Berlin? Vielleicht indem man versucht, sich ein Mosaik aus den - wenigen - schönen Impressionen zusammen zu stellen.

/ Spree /

/ Spree /

/ Spreeufer /
(Am Weidendamm)


Zwischen Bahnhof Friedrichstraße und dem neuen Gebrüder Grimm-Zentrum

/ Bahnhof Friedrichstraße /
vom neuen Gebrüder Grimm-Zentrum aus gesehen
(dieser Blick ist nur kurze Zeit aufgrund einer Baulücke möglich)


/ Bradysaurus baini /
im Museum für Naturkunde in der Invalidenstraße
(- vielleicht ein recht typischer Berliner ...)



/ Das neue Gebrüder Grimm-Zentrum von Innen /
(Zentrale Bibliothek der Humboldt-Universität)
Mit einem Blick übersieht man etwa 240 Studenten, die in ihre Studien vertieft sind,
über vier Stockwerke verteilt

Mittwoch, 28. Oktober 2009

So morden Geheimdienste

Das Beispiel Lumumba

Arrogante westliche Geheimdienstleute entschieden 1960, daß Lumumba sterben "mußte" - und geben noch heute zu dieser Entscheidung ... altersfreundliche Interviews ...


Im Prozeß der Entkolonialisierung bekam im afrikanische Kongo ein Politiker Bedeutung: Patrice Lumumba. Über seine Persönlichkeit, über die selbständige Art seiner Politik und über seine Ermordung gibt es einen sehr guten Film.

Und schon am Anfang dieses Filmes wissen die "Vereinigten Geheimdienstleute aller Länder" weltweit, wie wir sie hier einmal nennen möchten - damals meistens nur untergeordnete, ausführende "Kreaturen" dieser Dienste (hier: Louis Maliere [belg. Geheimdienst], Larry Devlin [CIA] ...) -, daß Lumumba "eine Gefahr" für Afrika und für die Welt darstellte, daß er sich "für die falsche Seite entschieden" habe, und daß er sich darum das Todesurteil mehr oder weniger selbst gesprochen habe. (Siehe auch hier, bzw.: 1) Diese Kreaturen grinsen und lächeln noch dabei, während sie über die damaligen Mordpläne ihrer "Agenturen" reden. Ihrer Mordzentralen. Was für ein Ekel.

Und sie bedauern diese Beurteilung - geradzu naiv - bis heute in keiner Weise. Lumumbas Schicksal war in ihren Augen in dem Augenblick entschieden, als er sich mit einer Rede vor dem belgischen König gegen die Interessen bedeutender Mächte in der Welt stellte. Mächte, die auch Wirtschaftsinteressen im Kongo hatten. Hier, gegenüber einem afrikanischen Politiker, sprechen typische Geheimdienstleute offener, als sie es - bis heute - gegenüber anderen prominenten Mordopfern von Geheimdiensten tun (abgesehen von Victor Ostrovsky) - über die sie natürlich - hinter verschlossenen Türen - ganz ebenso naiv und ekelhaft denken und entsprechend handeln wie in diesem Fall.

Was für eine Arroganz und zugleich kindliche Naivität wird hier zur Schau getragen. Entsprungen einer eigenen elitären Parallelwelt, die mit der demokratischen Kultur einer offenen, freien Gesellschaft nicht mehr das geringste zu tun hat, die aber in fröhlicher Koexistenz mit ihr fortbestehen kann. Hier entscheiden Geheimdienstleute, meistens bis heute unbekannte Vorgesetzte, selbstherrlich, was richtig und was falsch ist, wer leben darf und wer nicht - ohne jede demokratische Kontrolle. Und ohne die geringste Spur von Gewissensbissen, weder damals, noch heute.

- Für die Afrikaner ist Lumumba hingegen noch heute das Symbol für afrikanischen Stolz, für afrikanische Würde, für afrikanische Selbständigkeit und Unabhängigkeit (s. z. B. Yt.).

Aber was für eine Arroganz, noch heute, von Geheimdienstleuten: zu wissen, was für andere Leute, für andere Völker, andere Gesellschaften gut ist und was nicht. Zu wissen, wann und wie es "gut" ist, wenn Menschen, prominente Politiker ermordet werden ... Solange man solchen Typen von Geheimdienstleuten nicht energischer auf die Pelle rückt, als bisher von seiten einer kritischen Öffentlichkeit geschehen, wird sich bezüglich solcher Umstände auch künftig gar nichts ändern. Es wird sich nichts ändern an einer derart ekelhaften, abstoßerregenden, elitären Arroganz und Unmoral.

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1. De Witte, Ludo: Regierungsauftrag Mord. Der Tod Lumumbas und die Kongo-Krise. Forum Leipzig Verlag, Leipzig 2001

War der Kennedy-Mord eine überlagerte CIA-Operation?

- Wie so viele Geheimdienst-Operationen zuvor und bis heute?

War der Mord an J.F. Kennedy eine "überlagerte" Geheimdienst-Operation des CIA, der zunächst vorgab, in vielerlei Aktionen - aber niemals ganz ernsthaft -, Fidel Castro ermorden zu wollen (vorgab, natürlich nur intern), der von diesen Absichten etwas gezielt hatte durchsickern lassen, so daß Fidel Castro oder Kräfte auf seiner Seite im Gegenzug Pläne zur Ermordung des amerikanischen Präsidenten äußern konnten. - ? Und um so leichter konnte man dann den Kubanern einen Mord an J. F. Kennedy in die Schuhe schieben, der aber schließlich selbst das eigentliche Operationsziel der CIA-Pläne gewesen ist? (Möglicherweise ließe sich diese These auch harmonisieren mit der Aussage des 3Sat-Filmes von Wilfried Huismann von 2006 "Rendevouz mit dem Tod" [frei zugänglich hier].)

Solche Umstände wären jedenfalls typisch für "überlagerte Geheimdienst-Operationen", für die man inzwischen viele Beispiele nennen kann. Dazu würde passen, daß der - angebliche - Einzeltäter Lee Harvey Oswald einerseits an CIA-Mordplänen gegen Fidel Castro beteiligt gewesen sein soll, zum anderen aber auch - als Doppelagent des KGB - an Mordplänen gegen John F. Kennedy. Der CIA könnte - bzw. wird - seinen Status als Doppelagent für seine Absichten benutzt haben, um Oswald dann als "Sündenbock" hinstellen zu können.

So ist ja auch gegen den serbischen Staatspräsidenten Milošević vom britischen Geheimdienst eine Auto-Unfall-Attentat geplant gewesen - wie ein ehemaliger Mitarbeiter vor Gericht in Frankreich aussagte - genau ein solches Attentat, wie es dann an Prinzessin Diana zur Ausführung gekommen ist. Auch dieses Attentat an Prinzessin Diana könnte in der Planung als eine "überlagerte Operation" angelegt gewesen sein, wovon aber nicht alle Planenden und Vorbereitenden Kenntnis haben mußten.

Parallelwelt der Geheimdienste

Jedenfalls sagte Richard Helms, 1966 bis 1973 Direktor des CIA, zuvor Leiter von Unterabteilungen des CIA, vor der Church-Kommission, nachdem er zu den vielen - zum Teil auch skurrilen - Attentatsplänen des CIA gegen Fidel Castro befragt worden war (1, S. 253):
"Im folgenden versicherte Helms: 'Er habe nie geglaubt, daß Castros Leben wirklich bedroht war.' Er erklärt: 'Ich finde es sehr schwer, mich vor dieser Kommission zu rechtfertigen, denn die verschiedenen Teile dieser Affäre sind nicht klar, sogar mir nicht, es tut mir leid, das sagen zu müssen. Wenn es so klar gewesen wäre, wie alle glauben, so hätten diese Pillen in einem kubanischen Restaurant völlig gereicht, um den Tod Castros herbeizuführen. Ich hätte das McCone sicher mitgeteilt. Aber so klar war das Ganze nicht, es tut mir leid, das sagen zu müssen. Damals war das nie so klar.'"
Welcher intelligente Mensch wird denn von einer solchen Aussage überhaupt nur erwarten, daß man sie für glaubwürdig halten wird ...? Wie kann man ihm glauben, daß ihm die verschiedenen Teile der Affäre nicht klar gewesen wären? Schließlich ist Helms ja auch wegen Falschaussagen vor dem Kongreß zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Auch sonstige Aussagen dieses Herrn Helm zu den diversesten, weltweiten CIA-Aktivitäten und -morden (1) bewegen sich in einem ähnlichem "unscharfen" Spektrum.

"Terrormanagement" des CIA seit Jahrzehnten

Das "Terrormanagement" des CIA, das sich derzeit wieder in Afghanistan austobt (Christoph Hörstel), wird schon bei der Kuba-Krise des Jahres 1962 so seine Experimentierfelder gehabt haben. Und in diesem Zusammenhang wird auch die überlagerte Aktion zur Ermordung des amerikanischen Präsidenten, der für Strategien der Spannung zwischen Ost und West nicht zu haben war, geplant worden sein.

Die demokratischen Institutionen des Westens haben die Parallelwelt der Geheimdienste und ihr "Terrormanagement", wie sie schon seit vielen Jahrzehnten wirksam sind, trotz umfangreicher gewonnener Erkenntnisse seither dennoch in keiner Weise im Griff. Vielmehr muß umgekehrt mit viel Grund vermutet werden, daß diese Parallelwelt die demokratischen Institutionen bestens im Griff hat. - Fragt sich, wie lange dieser würdelose, ja, zutiefst ekelhafte Zustand noch andauern soll.

In der "John F. Kennedy-Gedenkbibliothek" in Berlin-Dahlem
ehrt man den großen amerikanischen Präsidenten -
Aber wird die alleinige Aufstellung einer Büste seinem Vermächtnis gerecht?


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1. Antonel, David u.a.: CIA - Geheime Macht oder modernes Regierungsinstrument? Geo-Verlag, Düsseldorf 1976

Dienstag, 27. Oktober 2009

Schon mit 24 Monaten IQ-Unterschiede zwischen Ethnien

Kinder aus lateinamerikanischen Einwandererfamilien in den USA entwickeln sich körperlich mindestens ebenso gut wie Kinder aus der weißen Mittelschicht. Aber schon nach 9 und 24 Monaten weisen sie im Durchschnitt deutliche Unterschiede in den kognitiven Fähigkeiten auf. So das Ergebnis einer neuen Studie, die auf 8.000 untersuchten Kindern beruht (LATimes, Orig. Artikel):
Latino children overall displayed smaller gains in cognitive proficiencies between 9 and 24 months, compared with middle-class populations
heißt es in der Zusammenfassung, die fortsetzt:
attributable to Latinas’ lower levels of maternal education, weaker preliteracy practices, and a higher ratio of children per resident adult.
Die kognitiven Unterschiede werden also allein auf Umwelt-Ursachen zurückgeführt, obwohl doch inzwischen bekannt ist, daß fast alle menschlichen Eigenschaften zumindest eine Kombination aus Anlage und Umwelt darstellen. Daß auch überwiegend schlicht biologisch-genetische Ursachen vorliegen können für Kognitionsunterschiede, wird von den Forschern zumindest nicht sehr ausführlich erörtert.

Aber gerade das Auftreten in einem so frühen Alter, obwohl zugleich in der körperlichen Entwicklung keine so deutlichen Unterschiede zu erkennen sind, deutet auch hier auf eine starke genetische Komponente.

Freitag, 23. Oktober 2009

Asteroiden-Einschläge und Genomverdoppelungen

Eine aufregende Meldung geht durch die Wissenschaftspresse (Sp. d. Wiss.) hinsichtlich jenes Asteroiden-Einschlags, der für das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren verantwortlich gemacht wird. Bislang ging man von einem Asteroiden aus, der durch seinen Einschlag den heute noch bestehenden Chicxulub-Krater auf der Yukatan-Halbinsel in Mexiko hervorgerufen hat. Das wurde in den 1970er und 1980er Jahren erstmals entdeckt. Man kennt inzwischen auch viele andere Einschlagkrater von Asteroiden anderer Zeitstellungen mit ähnlichen katastrophalen Folgen wie der vor 65 Millionen Jahren, nämlich eklatanten Massenaussterbe-Ereignissen.

Nun aber hat man zusätzlich auch noch einen zweiten Einschlagkrater mit fast gleicher Zeitstellung - 65 Millionen Jahre vor heute - und von noch größerem Ausmaß als der in Mexiko entdeckt. Und wo? An der Westküste Indiens:
Sankar Chatterjee von der Texas Tech University in Lubbock und seine Kollegen machen nicht den Chicxulub-Einschlag vor Yukatan verantwortlich [1]. Sie denken vielmehr, dass ein noch größerer Komet, der etwas später Teile Indiens traf, der Auslöser des Dino-Sterbens war. Er schlug vor rund 65 Millionen Jahren vor der indischen Westküste ein und schuf einen Krater, dessen Durchmesser etwa 500 Kilometer beträgt - der wäre womöglich der größte der Erde (siehe Grafik).
Der Aufprall des im Durchmesser 40 Kilometer großen Geschosses hat womöglich die Seychellen von der Indischen Platte abgetrennt und den Vulkanismus auf dem Dekkan-Hochplateau angeregt. Dessen Ausbrüche gelten ebenfalls als möglicher Auslöser des Massensterbens, weil sie giftige Gase freisetzten und über die Asche und Schwefelpartikel womöglich einen vulkanischen Winter auslösten. Handfeste Belege für ihre Behauptung haben die Geologen jedoch noch nicht: Als Hinweise führen sie das unterseeische Bergmassiv Bombay High an, das im Zentrum des angeblichen Kraters liegt. An Land sollen steile Klippen und heiße Quellen auf den Impakt hinweisen, der die zuvor stabile Geologie des Subkontinents durcheinandergebracht hat. Gesteinsproben sollen nun endgültig Aufschluss bringen, ob Shiva den Dinosauriern den Tod brachte.

[1] Geological Society of America Annual Meeting, Portland (18.-21.10.2009): The significance of the contemporaneous Shiva impact structure and Deccan volcanism at the KT boundary.
Was für eine verrückte neue Erkenntnis. Als ob ein Asteoriden-Einschlag nicht hätte ausreichen sollen für das Aussterben der Dinosaurier und noch so allerhand anderes mehr. Was hat sich die Natur bloß dabei gedacht? Was für ein "Zorn", der sich da gegenüber dem ansonsten so "geschützen" Leben auf der Erde entlädt.

Axel Meyer und Joachim Bauer

Aber noch etwas anderes ist in diesem Zusammenhang spannend: Inzwischen nähert sich nämlich auch Evolutionsbiologe Axel Meyer, über den wir auf "St. gen." schon berichteten, den von Joachim Bauer vertretenen Thesen an, nämlich über die Bedeutung von Genom-Verdoppelungen in katastrophalen Aussterbe-Zeiten auf der Erde für die Weiter- und Höherentwicklung der Arten. Siehe sein zusammen mit zwei Koautoren verfaßter Aufsatz "The evolutionary significance of ancient genome duplications" in "Nature Reviews Genetics", Vol. 10, October 2009, S. 725ff. "Studium generale" behält sich vor, darauf noch einmal zurückzukommen, denn es wird mit solchen Neuerkenntnissen immer offenbarer, daß die klassische neodarwinische Theorie zur Erklärung des evolutionären Geschehens nicht ausreicht.

Freimaurer-Morde an Barschel und Haider - und kein Ende?

Der Autor des Buches "Schwarzbuch Freimaurerei" Guido Grandt (im Bild rechts) hat in einer Presseerklärung angekündigt, in baldigen Buchveröffentlichungen aufzuzeigen, daß sowohl Jörg Haider wie auch Uwe Barschel, die beide an einem 11. Oktober "gestorben" sind, von der Freimaurerei ermordet worden sind (Schwarzwälder Bote 1, 2, 3):
Ihm lägen Akten von Nationalräten vor, die sich über den Einfluss der Freimaurer in der österreichischen Regierung beschwerten: »Die meisten von ihnen sind in der SPÖ, die an der Regierung ist.«
Wir hatten hier auf dem Blog schon darauf hingewiesen, daß auch Ewald Stadler über die tiefe Verflechtung der österreichischen Politik mit der Freimaurerei aufklärt. Es liegen hier sicherlich wenig andere Verhältnisse vor, als in Italien, wo Regina Igel auf die Steuerung der P2-Loge durch den amerikanischen CIA hingewiesen hat ("Terrorjahre") oder eben Deutschland, wo der Mord an Uwe Barschel (im Bild links) und das weit verbreitete Desinteresse an seiner Aufklärung ebenfalls auf eine tiefgehende Verfilzung der deutschen Politik und der Medien in Form geheimer Machenschaften, Verschwörungen hinweist.
Laut Grandt ist auch der Klagenfurter Staatsanwalt, der nach dem Tod Haiders die Ermittlungen führte, bekennender Freimaurer: »Er hat ihn politisch verfolgt.«

Grandt ist zudem überzeugt, dass die Fotos vom Unfallort und vom Grab Haiders Symbole enthalten, die für Eingeweihte »eindeutig zu interpretieren« seien: etwa eine Brille, die auf einen Zeitungsausschnitt mit einem abstürzenden Börsenkurs blicke. Davor habe Haider gewarnt und den »drohenden Staatsbankrott« den Regierenden zugeschrieben. Die Brille sei auf einem Foto mit einem Thuja-Zweig »drapiert«. Am Unfallort habe man einen Schuh entdeckt, den Grandt ebenfalls als Symbol der Freimaurer interpretiert. Der Thuja-Zweig finde sich auch auf freimaurerischen Symboltafeln und stehe für den Tod, der Schuh löse in der okkult-magischen Weltanschauung »Bann und Zauber«.

Sogar an Haiders Sarg will Grandt ein geheimnisvolles Symbol entdeckt haben: Dort stehe als Todesdatum »11.10.2008«. Ein Versehen? Wohl kaum, meint Grandt. Er habe aus Geburts- und Todesdatum die Quersummen errechnet, sie addiert, und die neue Quersumme ergebe eine »2«. Diese stehe in der okkult-magischen Vorstellung für Entzweiung und Polarität sowie das Böse.

Kurz: Grandt ist überzeugt, dass der Tod von Jörg Haider ein »politischer Ritualmord« war. Dafür habe er »Tausende Beweise«. »Ich weiß, die Ermittlungsbehörden werden mir eine Verschwörungstheorie unterstellen, weil ihre eigene Theorie nicht haltbar ist.« (...) Vor allem in Österreich ist das Thema nach wie vor ein Dauerbrenner. Als Motto für das Buch, das Anfang 2010 erscheinen soll, hat Grandt übrigens ein Zitat des Politikers gewählt, das wie gemalt zum Tenor passt: »Lieber stehend sterben als lebend kriechen.«
Wann hat all dieser ultrakonservative, zutiefst antidemokratische, antiempanzipatorische Mist, der sich - mindestens - durch das ganze 20. Jahrhundert zieht, und auf den zuletzt an prominenter Stelle kein geringerer als US-Präsident John F. Kennedy in nur allzu deutlichen Worten hinwies - weshalb er dann "natürlich" ermordet werden "mußte" - endlich ein Ende?

Donnerstag, 22. Oktober 2009

"Schon das WORT Geheimhaltung ist abstoßend ..."

John F. Kennedy wollte geheime Gesellschaften und Geheimdienste zerschlagen

Wer kennt die Rede, die John F. Kennedy drei Monate nach Beginn seiner Präsidentschaft am 27. April 1961 vor dem Amerikanischen Zeitungsverleger-Verband im New Yorker Waldorf-Astoria-Hotel gehalten hat (Wikiquote, dt. Übersetzung 1, 2)?


Wer sich im Netz umschaut, wird auch sonst noch mancherlei Hinweise finden auf die schweren Spannungen, die es zwischen John F. Kennedy und dem amerikanischen CIA, bzw. den amerikanischen Geheimdiensten allgemein gegeben hat (man siehe etwa --> hier). - - - So kann man nicht zusammenarbeiten, müssen da die Leute beim CIA ganz zwangsläufig reagiert haben und ihre entsprechenden Konsequenzen gezogen haben, falls sie tatsächlich gemerkt haben sollten, daß sie auf andere Weise mit Kennedy nicht mehr "zusammenarbeiten" konnten. Dementsprechend wird diese Rede - die "Secret Society Speech" - im Netz auch als die Rede bezeichnet, "die John F. Kennedy tötete".

Was für Worte, was für eine Rede!

Und in der Tat: Was für Worte. Was für eine Rede. Diese Rede Kennedy's war und blieb bis heute ein historisch einmaliger Fall. Und es ist schon ein historisches Faktum für sich, daß diese Rede bis heute viel weniger bekannt ist, als etwa seine berühmten Berliner Worte und Reden.

Wann hätte jemals ein führender Politiker des 20. Jahrhunderts solche klaren Worte geäußert? Oskar Lafontaine und jeder deutsche, europäische und weltweite Politiker, der noch in irgend einer Weise ernsthaft Politik treiben will, sollte sich an diesen Worten orientieren. - Natürlich auch an den Folgen, die solche Worte für Politiker haben können. Einzelne Politiker für sich können solche Folgen nicht vermeiden, wenn Gesellschaften eben insgesamt nicht mehr so frei und offen sind, wie das Kennedy noch voraussetzte. Seine Ermordung war der beste Hinweis darauf, daß der Staatsstreich durch den CIA, den er befürchtete (siehe Verweis oben), schon lange zuvor geschehen war. Und daß man von seiten des CIA das Vorgehen Kennedy's und jedes ähnliche Vorgehen als eine Art "Staatsstreich" gegen jene Art von "gelenkter" und "manipulierter Demokratie" empfinden mußte, die schon seit viel zu langer Zeit in den USA installiert ist, wie dies auch die Gegner des Kriegseintritts der USA in den Zweiten Weltkrieg erfahren mußten. Kennedy sagte (hier auch im Ton ins Deutsche übersetzt):

Sehr geehrte Damen und Herren,

bereits das Wort "Geheimhaltung" ist in einer freien und offenen Gesellschaft geradezu abstoßend. Und wir als ein Volk stehen - eingeboren und aufgrund unserer Geschichte - in Opposition zu geheimen Gesellschaften, zu geheimen Eiden und zu geheimen Vorgehensweisen.

Man höre diese Worte! Was für Worte! Damit stellte sich John F. Kennedy in aller Deutlichkeit - z.B. - gegen die Freimaurerei in seinem eigenen Land, von deren Bedeutung für die geschichtlicher Entwicklung seines Landes er doch wissen mußte. War er wirklich so ahnungslos, wie er sich hier stellte? Aber natürlich spricht das "ahnungslose Kind" manchmal unverstellter Wahrheiten aus, als andere. Mit diesem Beginn ist der Tenor dieser Rede schon festgelegt. Kennedy fuhr fort:

Denn uns steht rund um die Erde eine monolithische und gewissenlose Verschwörung gegenüber, die sich vornehmlich auf verdeckte Mittel verläßt, um ihren Einfluß auszuweiten, auf Infiltration statt Invasion, auf Subversion statt Wahlen, auf Einschüchterung statt freier Entscheidung.

Damit drückte Kennedy indirekt aus, daß die oft angewandten Methoden des amerikanischen Geheimdienstes (siehe etwa "Terrorjahre" von Regina Igel) die Methoden der Kommunisten und des kommunistischen Geheimdienstes sind. (Und umgekehrt natürlich.) Und er drückt seinen Abscheu darüber nur allzu deutlich aus. Kennedy weiter:
Es ist ein System, das breite menschliche und materielle Ressourcen an sich gezogen hat, um ein dichtes Netz zu knüpfen, um eine hocheffiziente Maschine aufzubauen, das militärische, diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Operationen vereint, ihre Vorbereitungen werden verheimlicht, nicht veröffentlicht, ihre Fehler werden versteckt, nicht angeprangert, ihre Abtrünnigen werden zum Schweigen gebracht, nicht gelobt. Kein Aufwand wird infrage gestellt, kein Geheimnis enthüllt. Darum hat der Gesetzgeber Solon es zu einem Verbrechen für jeden Staatsbürger gemacht, vor einer Kontroverse zurückzuschrecken.

Ich bitte Sie um ihre Hilfe bei der enormen Aufgabe, das amerikanische Volk zu informieren und zu alarmieren.
Über diese Rede wäre sicherlich noch viel zu sagen. (Offenbar hat das Publikum, die amerikanischen Zeitungsverleger, auffällig deutlich nicht richtig zugehört, sonst wüßte doch heute jeder Mensch weltweit von dieser Rede.) In den Wikipedia-Artikeln über John F. Kennedy und seine Ermordung wird schon gar nicht besonders ausführlich auf das Verhältnis zwischen Kennedy und den amerikanischen Geheimdiensten, insbesondere mit dem CIA überhaupt eingegangen. Wie dann erst auf diese Rede? (Weder im deutschen noch im englischen.) Nur allein deshalb kann es bei einem uninformierteren Publikum überhaupt noch Zweifel darüber geben, wer hinter dem Mord an John F. Kennedy nur allein gestanden haben kann. Wer diese Rede kennt, muß es doch wissen. Es war - wie banal! - natürlich der CIA. Es können nur die Vereinigten Dienste aller Länder der Erde gewesen sein. Wer sonst?

Und wann endlich wird sich die Politik an den Worten und dem Vermächtnis eines John F. Kennedy orientieren anstatt an Worten und dem Vermächtnis von Politikern, die sich von Geheimdiensten haben einschüchtern lassen, die mit "lupenreinen Demokraten" gut Freund sind, und deshalb niemals zu einer - auch nur halbwegs - innovativen Politik überhaupt nur fähig sein können.

John F. Kennedy wird viel zu oft "nur" als ein Idol hingestellt. Das ist sinnlos, wenn man nicht seinen Worten und seinem Schicksal umfassende Beachtung schenkt. Die 9/11-Wahrheitsbewegung ist bedeutend stärker als die Bewegung zur Aufklärung der eigentlichen Hintergründe am Mord von John F. Kennedy (Wikip.). Das ist einerseits ermutigend. Aber die 9/11-Wahrheitsbewegung sollte sich andererseits noch viel grundsätzlicher an den Worten von John F. Kennedy orientieren, sollte also die Beseitigung der Geheimdienste, der Geheimorganisationen und aller geheimen Machenschaften - so wie es der große Demokrat John F. Kennedy tat - ganz grundsätzlich fordern. Da sie alle abstoßend sind, abscheulich sind.

Skandale an der Saar?

Welche politischen oder Hintergrund-Kräfte lähmen die Erneuerungsfähigkeit unserer Gesellschaft?

Am 12. Oktober kritisierte Oskar Lafontaine die Grünen an der Saar sehr scharf (Welt-Video), nachdem die Koalitionsgespräche mit den Grünen erst sehr verheißungsvoll begonnen hatten (Welt-Video). Rund um Oskar Lafontaine und rund um sein Austricksen im Saarland durch den von Bombenattentaten bedrohten Vorsitzenden der Grünen, Hubert Ulrich, haben sich - wieder einmal - sehr "aufschlußreiche" Ereignisse abgespielt.

Oskar Lafontaine scheint einfach jemand zu sein, der politisch nur sehr schwer zu stoppen ist. Möglicherweise sind sich viele darüber im Klaren, daß man ihn - wie 1999 geschehen (siehe unten) - nur durch eine Wiedererinnerung an sein Trauma vom Messer-Attentat (1990) stoppen kann. Oder durch das Eindruck-Erwecken vorgeblicher politischer "Wankelmütigkeit", "Unzuverlässigkeit", "Verantwortungsflucht". Es kann leicht deutlich gemacht werden, daß ein großer Teil der Medien, insbesondere der großen, Lafontaine zu benachteiligen streben.

Der Wikipedia-Artikel zu Oskar Lafontaine ist von der Wikipedia-Gemeinde als "lesenswert" eingestuft worden. Und das ist er auch. Ebenso sind Interviews mit ihm sehenswert. Hier am Abend des Wahlsieges im Saarland mit Anne Will:


Laut dem genannten Wikipedia-Artikel hat Lafontaine in seinem Buch "Das Herz schlägt links" aus dem Jahr 1999 sehr genau dargestellt, was ihn 1999 zum Rücktritt veranlaßt hat.
Als Hauptgrund für seinen Rücktritt von 1999 nennt Lafontaine mangelnde Solidarität innerhalb der Regierung. Dabei wurden auch persönliche Verletzungen deutlich: Die Entfremdung zwischen ihm und Schröder habe schon nach der Niedersachsenwahl 1990 begonnen. Laut Lafontaine habe Schröder damals „in seinem unnachahmlichen Charme“ zu ihm gesagt: "Der Stich in den Hals hat zwei Prozent gebracht."

Er habe das Trauma des Attentats von 1990 gerade in den Monaten nach dem Wahlsieg der SPD von 1998, auf den er jahrelang hingearbeitet hatte, nochmals bewusst durchlebt; sein Rücktritt sei auch eine Spätfolge davon. Er wolle sein Leben nicht der Politik opfern und sich seiner Familie widmen. Er habe ohnehin vorgehabt zurückzutreten, dies aber nach der enttäuschenden Regierungserfahrung zeitlich vorgezogen.
Man kann dies so lesen, als ob Lafontaine 1999 mit einem erneuten Attentat gegen ihn rechnete und damit, daß Schröder in diesem Falle "nicht solidarisch" mit ihm wäre - sozusagen eine schützende Hand von ihm abziehen könne. Von jemanden, der Freund eines "lupenreinen Demokraten" wie Wladimir Putin ist, wird man derartige Dinge der Möglichkeit nach nicht von vornherein ausschließen wollen. Zumal nachdem man von politisch ähnlich gelagerten Vorgängen Kenntnis genommen hat, die sich - etwa - rund um den Mord an Uwe Barschel - wahrscheinlich durch den israelischen Mossad - vollzogen haben. Und die danach vollzogene Entsolidarisierung sowohl der eigenen Partei wie der SPD mit Uwe Barschel und seiner Familie.

Lafontaine hat in der Tat gefährliche politische Gegner. Auf Wikipedia liest man:
Rafael Seligmann und Michael Wolffsohn bezeichneten Lafontaine als Demagogen.
Wer solche politischen Gegner hat, kann leicht einmal einen Autounfall erleben - wie etwa Jörg Haider in Österreich oder kann - wenn er in der Freizeit Fallschirm springt - mit dem Fallschirm abstürzen.

Überhaupt sterben Menschen in der Öffentlichkeit, die populär sind, und bestimmte politische Gegner haben, oft allzu zu früh. Olof Palme wäre ein weiteres Beispiel, das immer wieder in die gleiche Mord-Kategorie gestellt wird wie der Mord an Uwe Barschel. Als Grund wird genannt: zu wenige Hilfestellungen bei der Interessenverteidigung Israels, insbesondere auch beim Handel mit Waffen.

Es sind zudem immer wieder viel zu auffällig Menschen, die unsere Gesellschaft reformieren können - jedenfalls glaubwürdiger und besser als andere - die sehr früh sterben. Aber die "anderen" - sagen wir: Partei-interne Konkurrenten - treten dann regelmäßig die Nachfolge von diesen früh verstorbenen Politikern an und befürworten Kriegsteilnahme und politische Freundschaften mit "lupenreinen Demokraten". Und bringen keine frische Luft in die Politik und in die gesellschaftliche Diskussion.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Prinzessin Diana (1961-1997)

Die Bedeutung authentischer Identifikationsfiguren für das Funktionieren von Gesellschaften

Nur weil jemand aussieht wie ein Glamour-Star, muß er deshalb nicht schon auch gleich so geistig, seelisch und emotional hohl und oberflächlich sein, als wie sich die meisten Glamour-Stars heutzutage in aller Regel darstellen oder darstellen lassen. Diesen Umstand müßten sich all jene zunächst einmal klar machen, die Prinzessin Diana allein deshalb weniger der Beachtung wert finden, weil sie ja letztlich "nur" ein Glamour-Star gewesen sei. Aber an einem Fall wie dem der Prinzessin Diana kann man sich die Bedeutung authentischer, allgemeiner Identifikationsfiguren für das emotionale Wohlergehen, für einen emotional ausgeglichen Haushalt auch moderner, hochkomplexer arbeitsteiliger Gesellschaften verdeutlichen. Die Trauer bei ihrem Tod in Großbritannien und weltweit war immens, sie war von einer emotionalen Wucht, wie man sie vielleicht sonst nur vergleichen kann etwa mit dem emotionalen Geschehen während der Öffnung der Berliner Mauer im November 1989.

Aufgrund der Forschungen zur "kin recogintion" zur genetischen Verwandtschaftserkennung innerhalb der Soziobiologie und Evolutionären Anthropologie wissen wir heute viel über die Bedeutung des Erkennens genetischer Verwandtschaft für altruistisches Verhalten unter Menschen, für empathisches Erleben und dergleichen mehr. Durch die Forschung wissen wir auch von der engen genetischen Verwandtschaft zum Bespiel zwischen dem englischen und dem deutschen Volk. Und es ist nicht fernliegend, in dem Länder und Muttersprachen überschreitenden emotionalen Mitgehen beim Tod von Prinzessin Diana - auch in Deutschland - an solche Zusammenhänge zu denken. Schon von ihrer äußeren Erscheinung her war Prinzessin Diana jene Art von Identifikationsfigur, wie sie in vielen Jahrhunderten in der nordeuropäischen Märchenliteratur als am emotional ansprechendsten dargestellt wurde.

Jedenfalls: Auch für uns Deutsche gilt: Die historische Bedeutung des Lebens und des Sterbens der englischen Prinzessin Diana (1961-1997) gültig zu fassen, ist ganz gewiß eine Herausforderung und kann viele Einsichten über unser überpersönliches emotionales Funktionieren vermitteln. Noch heute - 2017 - kann man sich und andere nicht an ihr Lebensschicksal erinnern, ohne an starke Emotionen zu rühren.


Abb. 1: Prinzessin Diana (1995)

Eines ist gewiß: Prinzessin Diana war etwas, was ihr ein fernerer Zuschauer, schon gar einer, der über Glamour-Stars gern automatisch hinwegschaut, gar nicht zutrauen würde. Sie war ein durch und durch politischer Mensch. Denn schon als junges Mädchen mit 19 Jahren, anläßlich ihrer Heirat, war sie sich der Rolle, die eine Prinzessin von Wales in der Welt spielen kann, zumindest in recht deutlichen ersten Ahnungen bewußt gewesen. Und weil sie aus Gründen, die nur allein in ihrer Individualität gesucht werden können, diese Rolle von Anfang so ausgefüllt hat, wie es die Welt als angemessen empfunden hat, wurde sie praktisch "über Nacht" zu einem unglaublichen "Politikum" in der Welt. Dies hat sicherlich - unter anderem - auch sehr viel mit ihrem Wunsch, ihrer Sehnsucht nach einem Leben in einer heilen Welt, in einer heilen Familie und in einer heilen Ehe zu tun. Diese Sehnsucht hat sie authentisch verkörpert und gelebt, repräsentiert, zu ihr stand sie. Und soll von einer Prinzessin mehr erwartet und gewünscht werden?

Die große Anteilnahme am Leben und Sterben von Prinzessin Diana ist einfach ein Hinweis darauf, daß es eine unglaubliche Lüge ist, wenn uns Wissenschaftler und andere Menschen glauben machen wollen, diese Welt wäre nur verstehbar, wenn man sie als eine "entzauberte" verstünde. Es ist das einfach eine unglaubliche Lüge. Lüge deshalb: Weil jeder kann sehen, daß es anders ist. Das Lebensschicksal von Prinzessin Diana zeigt es deutlich genug auf.


Die immense Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einem heiligen, gelungenen Familienleben



Und sie hat diesen Wunsch, diese Sehnsucht dann mehr und mehr nicht nur wie ein schüchternes Mädchen in sich selbst versteckt - weil sie merkte, daß sie das krank macht - sondern sie hat diese mehr und mehr auch in eigenen Worten nach außen getragen. Und warum hätte sie das nicht tun sollen?

Für wieviele Menschen hat sich der Traum eines erfüllten und dem Leben einen Sinn gebenden Ehe- und Familienleben so wie bei Prinzessin Diana ins Nichts aufgelöst? Und wie selten wird darüber in der Gesellschaft so authentisch gesprochen, wie dies Diana über ihre eigene Erfahrung getan hat? Jener Traum von einem Leben, das - die Natur ist unverwüstlich - viele, insbesondere junge Mädchen haben, und der dann in schwere Enttäuschungen mündet? Warum soll der Trauer und der Sehnsucht dieser Frauen keine Stimme gegeben werden? Wenn es doch möglich ist, darüber authentisch zu sprechen? Und wenn die Wissenschaft doch feststellt, daß das Nicht-Gelingen von Partnerschaften einer der Hauptgründe für die schwerwiegenden Überlebensprobleme fortgeschrittener Gesellschaften darstellt (s. St. gen.)?

- Es gibt sicherlich eine Fülle von Möglichkeiten, sich an das Leben - und insbesondere an die Innenwelt - von Prinzessin Diana heranzutasten. Der nächste Weg dazu wird zunächst immer derjenige in das eigene Innenleben hinein sein. Denn nur das, was man in sich selbst erlebt, kann man auch bei anderen erkennen, erleben - und damit verstehen. An dieser Stelle soll vorläufig auf zwei Möglichkeiten hingewiesen werden. (Siehe auch --> Bücher.)



"Diana - Meine Geschichte" (2002) - ein Spielfilm




Da ist zum einen ein eineinhalbstündiger Spielfilm aus dem Jahr 2002 "Diana - Meine Geschichte" von Regisseur Philip Saville. Dieser Film erzählt die Geschichte von Prinzessin Diana aus der Perspektive des Diana-Biographen Andrew Morton, mit dessen Hilfe - so stellt es zumindest Morton bis heute dar - Diana 1992 durch die sensationelle Buchveröffentlichung "Diana - Ihre wahre Geschichte" erstmals eine größere Öffentlichkeit auf ihre Situation in ihrer Ehe und innerhalb der königlichen Familie aufmerksam gemacht hat. Dieser Film kann gegenwärtig kostenlos im Netz angesehen werden. Er kann auch demjenigen empfohlen werden, der nur Unterhaltung sucht (--> hier).

Bei manchem Zuschauer werden sich nach dem Ansehen weitere Fragen stellen. Sehr viele solcher Fragen werden dann beantwortet in Diana's berühmten BBC-Interview vom November 1995 (Yt. 1, Yt. 4, BBC), das zwei Jahre vor ihrem Tod stattgefunden hat.

In diesem Interview spricht sie über ihre Ehe, über den historisch erstmaligen Fall der Scheidung eines Thronfolger-Paares. Sie spricht über die Unfähigkeit und Unwilligkeit der englischen Königsfamilie, der "Royals", mit einem solchen Fall angemessen, großmütig und großzügig - sprich: schlichtweg "königlich" - umzugehen.


Das BBC-Interview (1995)



Und in demselben Interview spricht Diana gegen Ende auch klar und deutlich - sozusagen "unverhüllt" - über ihr eigenes früheres, gegenwärtiges und künftiges Selbstverständnis. Und auf diesen Teil des Interviews soll hier besonders die Aufmerksamkeit gerichtet werden. Obwohl das Interview auch vollständig sehenswert ist.

Aus dem Interview gewinnt man den Eindruck, daß Prinz Charles und seine Mutter sehr kleingeistige, engherzige Menschen sein müssen. Daß man sich überhaupt in der "königlichen" Familie spätestens in den vielen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg an eine Kaltherzigkeit und emotionale Unbeteiligtheit gewöhnt haben muß, die wohl nur noch von etwas anderem - ein wenig - übertroffen werden kann. Nämlich davon, daß eine regierende Familie einfach auch physisch ermordet wird. So wie 1791 in Frankreich. So wie 1917 in Rußland. Oder daß man eine regierende Familie durch Krieg zur Abdankung zwingt und durch Rufmord ihre Rückkehr auf den Thron verhindert. So wie 1918 in Deutschland.

Daß aber, man möchte sagen, "königlicher Sinn" - trotz all solcher Ereignisse - in den Herzen der Menschen heute dennoch weiterlebt, daß Sinn für das Königliche, Sinn für Großmut, Sinn für Großherzigkeit, Sinn einfach für eine ganz andere, humanere Seite der Wirklichkeit - das zeigte sich eben in jenem Jahr 1981, als ein zwanzigjähriges, schüchternes Mädchen in ihrer mädchenhaften Verträumtheit trotz allem eben doch - wieder - die ganze riesige Bedeutung der Rolle einer britischen Thronfolgerin und Königin nicht mehr nur nach außen repräsentierte, weil sie so aussah und so gekleidet war, sondern weil sie es auch ihrer inneren, schüchternen Anteilnahme nach war.

Sie war - und blieb es, daran kann kein Zweifel bestehen: ein Bild der Unschuld. Ein Bild großer Verletzlichkeit.


Eine reife Frau



Aber das in einem sehr modernen Sinne, das heißt, die ganze Gefährdetheit von "Unschuld" in dieser Welt, von Verletzlichkeit in dieser Welt war in ihr verkörpert. Aber nicht allein in wehleidiger Weise. Man sieht nie eine jammernde Frau. Man sieht eine Frau, die Schmerz zu ertragen weiß, ihn auszuhalten weiß, ihn zu verarbeiten weiß. Und zwar nicht dadurch, daß sie einfach verdrängt, von sich wegschiebt. Man sieht eine reife Frau.

Eine Frau, die einfach deshalb auch vorbildlich ist. Vor allem ab Minute 5'10 in dem obigen vierten Teil des Interviews werden Fragen ihres eigenen Selbstverständnisses angesprochen. Prinzessin Diana wird gefragt *):
"Welche Rolle sehen Sie für sich selbst in der Zukunft?"
Das heißt: Nach einer gescheiterten Ehe mit Prinz Charles. Und die Worte von Prinzessin Diana sind unverfälscht und - sozusagen - eine Lanzenspitze in die völlig vertrockneten Herzen derer, die sie stoppen möchten, beiseite drängen möchten:
"Ich möchte ein Botschafter für dieses Land sein. Ich möchte dieses Land im Ausland repräsentieren. Wo es schon so viel Medieninteresse für mich gibt"
- über die damit verbundenen Probleme auch für sie selbst war immer wieder ausführlich gesprochen worden, auch zuvor in diesem Interview -,
"wo es schon dieses riesige Medieninteresse gibt - warum nur in diesem Land hier sitzen und sich davon bombardieren lassen? Laßt uns diese Leute mitnehmen ins Ausland, um unser Land und seine guten Qualitäten dort zu repräsentieren. - Wenn ich ins Ausland gehe, kommen 60 bis 90 Fotografen allein aus diesem Land mit mir. Also laßt es uns doch benutzen in einer produktiven Weise, um diesem Land zu helfen."

"Die größte Krankheit unserer Zeit ..."



Ist Prinzessin Diana die erste, die das große Medieninteresse, das sie auf sich zieht, ohne dies ursprünglich so gewollt zu haben, schließlich doch bereit ist anzuerkennen und dazu zu benutzen, ausnahmsweise einmal etwas grundlegend Positives damit zu machen? Und sollte das eine falsche Einstellung sein? Es kommt dann die Frage:
"Warum glauben Sie, daß Sie ein Recht haben, sich als Botschafter zu fühlen? In wessen Auftrag?"
Und man merkt, daß das eine von den Fragen sind, die Prinz Charles oder seine Mutter und so mancher andere politische "Berater" ihr schon gestellt haben müssen. Mit der Erwartung, daß sie darauf keine Antwort haben könne. Aber Prinzessin Diana, dieses schüchterne Mädchen, hat eine Antwort darauf. Eine Antwort, die niemand erwartet hatte:
"Ich bin in einer privilegierten Position seit 15 Jahren. Ich habe sehr viel Wissen über Menschen und wie man kommuniziert. Ich habe das gelernt. Ich besitze es. Und ich möchte es nutzen. Wenn ich auf Menschen im öffentlichen Leben schaue .... Ich bin kein politisches 'Tier'. Aber ich denke, die größte Krankheit, an der diese Welt leidet heute und in diesem Zeitalter, ist die Krankheit, daß sich Menschen ungeliebt fühlen. Und ich weiß, daß ich Liebe geben kann. Sei es nur für eine Minute, für eine halbe Stunde, für einen Tag, für einen Monat. Aber ich kann geben. Und ich bin sehr glücklich, das tun zu können. Und ich möchte das tun."
Hier ist ein Mensch, für den Liebe Leben ist, und der einfach nur leben möchte. Und den Wunsch nach "Leben" zu artikulieren - in ihrer Position: Das ist ein Machtanspruch. Ein Machtanspruch im Namen der Liebe. Auch im Namen ihrer eigenen Kinder. Es ist ein Wille zur Macht - - - aber - wie selten! - um eines Zweckes willen, den nur wenige so glaubwürdig würden aussprechen können, wie ihn Prinzessin Diana aussprechen konnte.


Diana's Hoffnungen für die britische Monarchie



Wer die Unwägbarkeiten der menschlichen Seele nicht kennt, wer die Trauer beim Tod von Prinzessin Diana bei Millionen von Menschen nur für "aufgesetzt" halten und empfinden kann, wer dahinter keine Sehnsucht herausspürt, jene Ahnung, jenes Wissen, daß es einmal auf dieser Erde schöner war, weil Menschen anders waren, und daß es auf ihr auch wieder schöner werden kann, weil sich Menschen und Gesellschaften ändern können - und warum nicht auch einmal zum Besseren hin? - der kann nicht verstehen, der wird es niemals verstehen, warum eine Prinzessin Diana hatte - ermordet werden müssen.

Von jenen Kräften, die versuchen, der Weltgeschichte eine umgekehrte Richtung aufzuzwingen. Ermordet von Kräften, die - höchstwahrscheinlich - mit Prinzessin Diana historisch gesehen nicht die erste Hoffnung von Völkern nach einer besseren Welt ermordet haben. Von Kräften, die nicht wollen, daß Liebe Menschen, ja, ganze Völker seelisch stark und optimistisch und handlungsfähig - statt lethargisch, passiv und lebensunfähig - macht. Zum Spielball in der Hand der korruptesten Kräfte in der Weltgeschichte.

Wer konnte auch nur im Leisesten den Gedanken hegen, eine Prinzessin Diana zu ermorden? Und welche Macht muß man in ihr gesehen haben, wenn man glaubte, daß man sie ermorden - - - "müsse". Wieviel Angst müssen solche Menschen haben vor Liebe - - - ihrer Liebe?


/letzte Überarbeitungen:
7.8.17/

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Noch eine Ergänzung (24.10.09): Zum Beispiel die monotheistisch gefärbte "Templeton Foundation" redet in einem ständigen, allzu deutlich christlich gefärbten - Strom von Schmalz von den guten Eigenschaften des Menschen, die es - nun neuerdings auch durch die Wissenschaft - zu fördern gelte. Sie redet etwa von der Fähigkeit, vergeben zu können und von vielen ähnlichen guten Eigenschaften und Dingen. Das ist einem einfach auf die Dauer zu dick aufgetragen und man ist dann doch mehr oder weniger froh, wenn einer - ebenso falsch natürlich - ständig nur von Egoismus und egoistischen Genen redet.

Da einem aber dieser Schmalz auf die Dauer schlichtweg gar nichts mehr sagt, da man darüber schlichtweg nichts mehr hören möchte, möchte man zu solchen Dingen eigentlich nur noch etwas von dem wenigen sagen, was darüber vielleicht noch zu sagen wäre: Sorgt doch einfach dafür, auch ihr bei der "Templeton Foundation", daß Menschen, die diese, von Euch so sehr gewünschten positiven Eigenschaften an prominenter Stelle glaubwürdig vorleben, nicht ständig ermordet werden oder ihnen gegenüber Rufmord geübt wird. Dann braucht ihr gar nicht mehr darüber reden. Denn dann verstehen sich diese Dinge doch früher oder später ganz von selbst. Lebt es doch einfach vor. Aber hört - bitte, bitte - auf, darüber zu reden, als würdet ihr jene Predigten in der Kirche halten, bei denen jeder anständige Christ gleich zu Anfang einschläft - und das mit allzu viel Recht. (... Und nach dieser Ergänzung bekommt dieser Beitrag auch noch den "Tag" "evolutionäre Ethik".
)

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*) Im Original:

BASHIR: What role do you see for yourself in the future?

DIANA: I'd like to be an ambassador for this country. I'd like to represent this country abroad.

As I have all this media interest, let's not just sit in this country and be battered by it. Let's take them, these people, out to represent this country and the good qualities of it abroad.

When I go abroad we've got 60 to 90 photographers, just from this country, coming with me, so let's use it in a productive way, to help this country.

BASHIR: You say you feel that your future is as some form of ambassador. At whose behest is that? On what grounds do you feel that you have the right to think of yourself as an ambassador.

DIANA: I've been in a privileged position for 15 years. I've got tremendous knowledge about people and how to communicate. I've learnt that, I've got it, and I want to use it.

And when I look at people in public life, I'm not a political animal but I think the biggest disease this world suffers from in this day and age is the disease of people feeling unloved, and I know that I can give love for a minute, for half an hour, for a day, for a month, but I can give - I'm very happy to do that and I want to do that.

BASHIR: Do you think that the British people are happy with you in your role?

DIANA: I think the British people need someone in public life to give affection, to make them feel important, to support them, to give them light in their dark tunnels.

I see it as a possibly unique role, and yes, I've had difficulties, as everybody has witnessed over the years, but let's now use the knowledge I've gathered to help other people in distress.

BASHIR: Do you think you can?

DIANA: I know I can, I know I can, yes.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Wolfgang Harich: Der Geist ist ein Wühler ...

Das faszinierende und zugleich groteske Leben des bekennenden deutschen Kommunisten Wolfgang Harich (1923 - 1995)


So wie er in seiner Jugend Frauen gegenüber ein "Hochstapler" gewesen ist (2, S. 92f), ein "Blender", um sie - immer wieder neue - für sich zu gewinnen - seit seinem siebten Lebensjahr gibt er vor, keinen einzigen Tag in seinem Leben nicht verliebt gewesen zu sein (5) - so scheint der deutsche kommunistische Intellektuelle Wolfgang Harich (1923 - 1995) auch dem Kommunismus gegenüber zeit seines Lebens ein "Hochstapler" gewesen und geblieben zu sein. Er, der 1956 die DDR und ihre Nomenklatura reformieren wollte, indem er den Marxismus-Leninismus und seine Parteidoktrinen noch intelligenter, will heißen "hochstaplerischer", offensiver auslegte, als das irgend ein anderer Kommunist seiner Zeit tun konnte, er, der sich dabei zeit seines Lebens naiver stellte, als er es überhaupt hätte sein brauchen.

Aber auch naiv verhalten sich mitunter intelligente, vergeistigte Männer Frauen gegenüber. Warum also nicht auch einmal dem Kommunismus und seiner Nomenklatura gegenüber, wenn man einmal in solche Verrücktheiten hineingeraten ist durch etwaige einschneidendere Prägungen in frühreifer Jugend?

In jedem Fall: Was für ein verwegenes, hochstaplerisches Leben und Denken! Das Leben und Denken dieses deutschen Kommunisten Wolfgang Harich.

Die Ausbreitung des Kommunismus in Europa 1945

Die Ausbreitung des Kommunismus bis nach Mitteleuropa, bis in die Mitte Deutschlands hinein, bis an die Elbe und eine damit einhergehende Zweiteilung Europas waren das Kriegsziel der westlichen Alliierten spätestens seit 1941, als von westalliierter Seite zu gleicher Zeit der unterschiedslose Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung immer größere Dimensionen annahm und noch bevor von der Ermordung der europäischen Juden etwas im Westen bekannt geworden war. (1)

Den Westalliierten war bewußt, daß mit der Tolerierung und Förderung der Ausbreitung des Kommunismus einem verbrecherischen Regime Vorschub geleistet würde, das verbrecherische Methoden anwendete gegenüber allen Menschen, die in seinem Herrschaftsbereich lebten oder die in diesen hineingeraten würden.

In der Geschichtswissenschaft gibt es bis heute auffallend wenig Auseinandersetzungen darüber, ob es zu dem Geschichtsverlauf der Ausbreitung des Kommunismus im Jahr 1945 nach Mitteleuropa hinein realistische Alternativen gegeben hätte. Aber zum Teil wurde die Ausbreitung des Kommunismus nach Mitteleuropa von westlichen Politikern auch deshalb gefordert, weil die eigenen westalliierten Truppen nicht so rücksichtslos und erbarmungslos gegen die Zivilbevölkerung würden vorgehen können, wie man dies von den sowjetischen Truppen würde erwarten können.

Denn die eigenen Truppen würden von Journalisten begleitet und würden Rücksicht nehmen müssen auf die öffentliche Meinung im Westen (so der amerikanische Kriegsminister Simpson und viele andere). (1) Solche und viele andere Erwägungen zeigen auf, daß man ab einem bestimmten Zeitpunkt, in maßgebenden Kreisen seit 1941, gar nicht mehr ernsthaft über Alternativen zu dem schon 1941 "vorausgesehenen" und dann auch eingetretenen Kriegsende von 1945 nachdachte, sondern genau dieses Kriegsende für das Wünschenswerteste hielt, das der Welt überhaupt passieren könnte.

Man kann also sagen, daß der "Eiserne Vorhang", der nach dem 8. Mai 1945 östlich der Elbe niederging, letztlich vom Westen mit eingeplant gewesen und von diesem bewußt vorausgesehen worden war. Nicht anders war ja auch die berühmte und so tief menschen- und kulturverachtende "Westverschiebung Polens" zu bewerkstelligen und all die ungeheuerlichen Verbrechen, die damit neuerlich impliziert waren.

Bewußt wurden auch alle Kontakte zu Widerstandsgruppen innerhalb Deutschlands zurückgewiesen oder auffallend lauwarm gepflegt. Stattdessen wurde die Forderung nach der bedingungslosen Kapitualtion Deutschlands sowohl gegenüber der Sowjetunion als auch gegenüber den westlichen Kriegsparteien (gleichzeitig) gestellt. Damit war der Möglichkeit eines "Separatfriedens" im Westen der Boden entzogen.

Und damit der unberechenbare, mißtrauische Stalin nicht seinerseits einen Seperatfrieden mit Deutschland schließen würde, konnte man die ganze Kriegszeit über mit dem gefangen genommenen Rudolf Heß "wohldosiert" drohen, nämlich daß man im Falle eines Falles mit ihm schneller zu einem Seperatfrieden mit Deutschland kommen würde, als Stalin seinerseits mit Deutschland.

1955 wurde dem vormaligen britischen Kriegspremier Winston Churchill der "Karlspreis" der Stadt Aachen verliehen. Winston Churchill war es Jahrzehnte lang gelungen, die Geschichtsfälschung zu verbreiten, er hätte ja - erfolglos - eine alliierte Landung auf dem Balkan angestrebt, um der Sowjetunion in Osteuropa zuvorzukommen. Daß er dies niemals ernsthaft angestrebt hat, ist schon vor mehreren Jahrzehnten von der Geschichtswissenschaft aufgedeckt worden. (1) Von dieser Tatsache hat sich aber bisher das geschichtliche Bewußtsein niemals in deutlicherer Weise beeinflussen lassen.

Mit unserem Geschichtsbewußtsein denken wir deshalb heute noch immer in den Schienen der Denkmuster des Kalten Krieges in der Art und Weise, in der sie nach 1945 eingestellt worden sind.

Welche Folgen hat die Ausbreitung des Kommunismus?

Aber wie haben sich Menschen im zweigeteilten Deutschland und Europa innerhalb der letzten 50 Jahre - und auch heute noch - in dieser soeben geschilderten, fast alternativlosen, zubetonierten, starr festgelegten geschichtlichen Situation, auf die sie selbst kaum Einfluß nehmen konnten, zurechtgefunden? Wie haben sie gehandelt? Welche Langzeitwirkungen an seelischen Verwüstungen waren die Folgen a) des Nationalsozialismus, b) der die Ausbreitung des Kommunismus erbarmungslos fördernden Kriegszielpolitik der Westalliierten und c) des Kommunismus selbst?

Menschen wie Rudi Dutschke lehnten sich gegen die Zweiteilung Deutschlands und Europas auf. Menschen wie Heinrich George starben in sowjetischen "Speziallagern". Menschen wie der vormalige deutschen General bei Stalingrad, Walther von Seydlitz, schlossen sich dem Nationalkommitee Freies Deutschland an und unterstützten den Kommunismus. Und Menschen wie Wolfgang Harich (1923 - 1995) genossen während der Kriegsjahre zum einen Teil das süße Leben in der Heimat und durchlebten zum anderen Teil "Schweijk-mäßige" Odyseen als sich vor dem Kriegsdienst drückende Wehrmachtsangehörige. Und sie wurden - noch während des Krieges - Kommunisten. Und sie blieben dies zeitlebens.

Andere Menschen "warteten auf Antwort" ein Leben lang. Wiederum andere Menschen lehnten sich gegen das System auf. Menschen wie Roland Garve, Jürgen Fuchs, DDR-Dissidenten, prominente Opfer der Stasi, Inhaftierte in Hohenschönhausen etwa. Wieviele tausende von unterschiedlichen Schicksalen!

Und der eine oder andere von ihnen - wie etwa Wolfgang Harich - bewahrten sich dennoch, obwohl sie zeit ihres Lebens eher auf Seiten der Täter als der der Opfer standen, auf dem einen oder anderen Gebiet ihres Denkens und Handelns eine innerseelische - und zum Teil auch äußere Freiheit -, wie dies der Mehrheit ihrer Mitmenschen - und zumal in der Nomenklatura der DDR - noch nicht einmal einen Fingerbreit gelang. Dies war allerdings - allzu oft - nur unter persönlichen Opfern zu erkaufen. Wolfgang Harich saß dafür, daß er sich 1956 in der DDR in "hochstaplerischer" Weise zu viele "Freiheiten" herausgenommen hatte, acht Jahre in Einzelhaft in Bautzen.

Der Kommunist und Schöngeist, der feurige Liebhaber

Wolfgang Harich. Der Kommunist und Schöngeist, der feurige Liebhaber vieler Frauen, der fast stolz darauf war, daß seine Ehefrau eine der Geliebten von Bertold Brecht war, der DDR-Dissident und Stalinist, der acht Jahre lang in Bautzen in Einzelhaft einsaß, weil er 1956 - während des ungarischen Aufstandes - die Absetzung Walter Ulbrichts und die Wiedervereinigung Deutschlands auf sozialistisch-demokratischer Grundlage gefordert hatte.

Er, der von seinen Unterdrückern in der DDR verachtet wurde, weil er sich nach seiner Haft dennoch wieder an sie anbiederte, der noch in den späten 1980er Jahren ein staatliches Verbot aller Bücher Friedrich Nietzsches in der DDR forderte, worüber sogar die verhärtetsten Parteibonzen der Nomenklatura nur noch mit dem Kopf schütteln konnten, und der um solcher und anderer Haltungen hinwiederum von anderen DDR-Dissidenten ebenfalls verachtet wurde. Dessen Ruf schlecht gemacht wurde auch in den Augen vieler westlicher Sympathisanten, da er sich an das System anbiederte in einer Weise, in der es damals zumeist noch nicht einmal mehr die verhärtetsten Stalinisten taten. Und dessen Parteilinien-programmatische Gespräche über die Einbeziehung der Philosophen Nicolai Hartmann und Geroge Lukacsz in die philosophische Programmatik des von der DDR vertretenen Marxismus-Leninismus in den Jahren 2000 und 2004 posthum in dem renommierten westdeutschen Verlag Königshausen und Neumann veröffentlicht worden sind. Nicolai Hartmann war der Hochschullehrer Wolfgang Harichs in Kriegszeiten in Berlin gewesen. Deshalb sind diese Bücher Hartmann's auch ein wichtiger Beitrag zur Rezeptionsgeschichte des Philosophen Nicolai Hartmann.

Wolfgang Harich - was war das für ein merkwürdiger Mensch?

Und mußte man wirklich so "schwierig" gestrickt sein in seiner eigenen Charakterlage, wenn man sich - wenigstens - Inseln von seelischer Lebendigkeit in einem solchen System wie dem der DDR erhalten wollte? Daß sich Wolfgang Harich viele solcher Inseln seelischer Lebendigkeit zeitlebens erhalten konnte, davon zeugen - nicht zuletzt - die Lebenserinnerungen seiner letzten Frau, einer "unstudierten" Krankenschwester. Diese lesenwerten Lebenserinnerungen sind vor zwei Jahren erschienen. (2)

Wolfgang Harich, Philosoph und Literaturwissenschaftler

Durch ihr Buch lernt man viele interessante Seiten der Persönlichkeit Wolfgang Harich kennen. Was scheibt Harich etwa über Heinrich Heine? Heinrich Heines Schrift "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" wird von den bürgerlichen Historikern der Philosophie nicht genügend gewürdigt (2, S. 71):
Tatsächlich handelt es sich hier aber um den ersten Versuch, die historisch-gesellschaftliche Funktion der klassischen deutschen Philosophie von Leibnitz bis Hegel zu erfassen, ihren revolutionären Kern herauszuarbeiten und gleichzeitig ihre philisterhaften Seiten, ihre Abhängigkeit von der deutschen Misere, ihre idealistische Verschrobenheit zu kritisieren.
Welch treffende Charakterisierung! Harich versteht es auch, wenn Leser ungeduldig und wütend werden auf den deutschen Schriftsteller Jean Paul, den er im letzten Jahr seiner Haftzeit in Bautzen so stark lieb gewonnen hatte (2, S. 44):
... weil sie seine übermütigen, albernen, ausschweifenden Phantasien, die in groteske Metaphern münden, nicht verstehen und mit ihnen nicht zurechtkommen. Und wenn ich (Anne Harich) ihn (Wolfgang Harich) frage: Hat er dich auch manchmal genervt?, dann sagt er: Ja, na selbstverständlich, Jean Paul kann furchtbar sein, Jean Paul läßt sich nicht schnell lesen, der zwingt einen, seine Mitteilungen genau zu verfolgen, man muß sich mit ihm beschäftigen, er verlangt einem Zeit ab, und er verlangt Mitdenken; aber dann, hat man sich erst einmal durchgebissen, dann ist es etwas Herrliches. Die Jean Paulschen Charaktere bleiben einem unvergeßlich, und man begegnet ihnen überall. Er lehrt einen das Beobachten, das Näherhinsehen. Katzenberger, der nur sein wissenschaftliches Ziel sieht, und Nies, der eitle Schriftsteller, werden in unseren Unterhaltungen zu feststehenden Begriffen und Vorstellungen, wenn es darum geht, jemanden mit einem Wort zu charakterisieren.
Harich selbst schreibt über Jean Paul 1965 in einem Brief (2, s. 298f):
Ich kann heute ohne Übertreibung sagen, daß ich dem Jean-Paul-Studium in meinem letzten Haftjahr eines der herrlichsten Bildungserlebnisse meines ganzen bisherigen Lebens verdanke. (...) Diese 'heroischen Romane' Jean Pauls, die im Zeichen der Französischen Revolution das edle Pathos des 'Werther' und des 'Hyperion' mit grandiosem Humor und sieghaftem Optimismus verbinden.
Harich hat nach eigener Aussage in seinem umfangreichen Werk über Jean Paul den "heroischen Romanen" dieses deutschen Schriftstellers eine neue literaturgeschichtliche Deutung gegeben, die größtenteils vom deutschen und europäischen Kulturbewußtsein noch nicht aufgenommen worden ist. Oder - aus dem Bericht von Anne Harich (2, S. 43):
Wissend um meine Vorliebe für die russische Literatur, fragt er (Harich) mich, ob ich den "Oblomow" kenne. Ich kannte ihn nicht. Oh, raunte er, das ist etwas Wunderbares, den solltest du kennenlernen! Soll ich dir daraus etwas vorlesen? Ich sage ja, und durch Harich erfahre ich "Oblomows Traum", und er stimmt mich ein auf einen der schönsten und ergreifendsten Romane. Ich lese und bin ganz für Oblomow, und ich lege das Buch erst beiseite, als es zu Ende ist. Und Harich genießt meinen Genuß und meine Freude an und meinen Kummer um Oblomow, und wir reden die ganzen neun Jahre über Oblomow, über Sachar, über Stolz und über Olga, über die Liebe und über uns, und wir liegen auf dem Sofa und oblomowieren, das heißt: Wir liegen rum und machen gar nichts, oder wir lesen oder reden miteinander oder hören Musik.
Im April 1946 schon schrieb Harich in einem Brief an einen Kollegen (2, S. 81f):
Dabei wäre es unsere Aufgabe, eine linksradikale Einheitsfront des Proletariats zu schaffen, die den revolutionären Bolschewismus und die eherne Konsequenz des Marxismus-Leninismus mit dem fairen, freiheitlichen Geist der westlichen Demokratie zu einer höheren Synthese aussöhnt.
Ein groteskes Leben im Jean Paul'schen Sinne?

Von solch einer fast schon Jean Paul'schen "Groteske" in der Zielsetzung läßt er sich sein Leben lang leiten und muß damit - wohl mehr oder weniger zwangsläufig - grandios scheitern. Aber da es eben Jean Paul-mäßig grotesk ist, bleibt eine Spur von Faszination, wenn ein im deutschen Großbürgerum aufgewachsener, frühreifer Mensch, ein früherer, ungeheuer lebhafter und geistig lebendiger Briefpartner einer solchen liberal-konservativen Schriftstellerin wie Ina Seidel (2, S. 94 - 113) schon kurze Zeit später - 1946 - von der "ehernen Konsequenz des Marxismus-Leininismus" spricht. Und wenn ein solcher in dem ganz und gar unfreiheitliche Geist dieser "ehernen Konsequenz" noch in den späten 1980er Jahren ein Verbot sämtlicher Bücher Friedrich Nietzsches in der DDR fordert. Was für eine Groteske! (Und wie "fair" sollte das alles dann wohl sein?)

Zu seinen Plänen von 1956 äußerte sich Harich auch in einem kurzen Video, das ins Netz gestellt wurde und einen Video-Eindruck von der Person Wolfgang Harich gibt:



Und was für eine Groteske, wenn Harich auf dieser Linie der Stasi 1956 "ironisch", wie er im Nachhinein rechtfertigend sagt, "dankt" dafür, daß sie ihn rechtzeitig festgenommen habe, bevor er der Todesstrafe würdige Dinge getan hätte (siehe auch --> MDR). Und wenn er sein Leben lang an den Jahrestagen des ungarischen Aufstandes schwer depressiv wird (2, S. 147). Und zwar offensichtlich nicht, weil er traurig über den erfolglosen Verlauf desselben ist, sondern weil er es tief bereut, damals so gehandelt zu haben, wie er gehandelt hat, nämlich als Freigeist! - Als er 1952 eine Tochter bekommt, schreibt er fröhlich an einen Kollegen (2, S. 87):
Wir haben sie Katharina genannt, erstens ist das ein Name, mit dem man überallhin emigrieren kann, ohne Anstoß zu erregen: Jekaterina, Cathrean, Caterine. Zweitens kann man den Namen je nach Entwicklung modeln: Wird sie ein Hausmütterchen, nennt sie sich Käthe oder Käti, wird sie ein Vamp - Katja oder Katinka, wird sie eine Bardame - Kat oder Kath, wird sie kunstgewerblich mit Bastmatten an der Wand und gedrechselten Holzknöpfen an der Bluse - Kattrin. Außerdem je nach Vogel: Kathrin, Catharina, Katrina, Catarina, Catrina usw. Man kann sie auch "Trine" schimpfen, falls sie sich als Schlampe entpuppt. Kurz: Es ist alles drin.
So, wie bei Harich selbst wohl immer - - - "alles drin" war - außer daß er jemals wieder davon abweichen sollte, daß es eine "eherne Konsequenz des Marxismus-Leninismus" gäbe. Anne Harich schreibt über ihren Mann:
Sein Vorhaben war ein gesellschaftliches, das bestimmte sein Dasein, und das war mir fremd, daß einer hauptsächlich für ein gesellschaftliches Vorhaben lebte. (...) Er hatte etwas, das wenige Menschen besitzen: Er hatte ein Ziel im Leben.
1975 schreibt er anläßlich des 90. Geburtstages des marxistischen Philosophen Ernst Bloch an diesen (2, s. 306):
Lieber Ernst, in der Hölle, Abteilung Kommunisten, warten Brecht, Eisler und Lukacs vorwurfsvoll auf Dich. Ihnen unter die Augen zu treten, möge Gott, milder gestimmt dank Thomas Münzers Fürsprache, Dir noch lange ersparen. Für mich bleibt die Trennung von Dir ein chronisches Leiden, verschlimmert durch häufiges Lesen Deiner Bücher, gemildert durch den Zorn über Dein Weggehen aus Gegenden, die ohne Dich ärmer sind, als sie sein müßten. ...
Welche Rolle spielte die Stasi?

Welche Rolle die Stasi und vielerlei sonstige bewußte oder unbewußt geführte Intrigen gespielt haben mögen bezüglich des Umstandes, daß sich Wolfgang Harich und Rudi Dutschke nie in ihrem Leben begegnet sind, schon gar nicht zusammen bei George Lukacz zu Besuch waren, bezüglich des Umstandes, daß Wolfgang Harich nach 1956 niemals mehr sein großes Vorbild Georg Lukacz sprechen konnte, ebensowenig seinen Freund Ernst Bloch, und bezüglich des Umstandes, daß Wolfgang Harich in der westdeutschen Umweltschutzbewegung der frühen 1980er Jahre nicht festen Fuß hat fassen können, worum er sich so sehr bemühte in Enttäuschung und Abwendung von der DDR-Nomenklatura und ihrer Haltung gegenüber der Umweltschutzbewegung, und bezüglich des Umstandes, daß Wolfgang Harich im Oktorber 1989, kurz vor der Maueröffnung, geradezu "synchronisiert" der öffentliche Ruf auch und gerade innerhalb der Reihen der DDR-Regimegegner neuerlich schwer geschädigt worden ist (2, S. 386 - 393), all das ist ganz offensichtlich bis heute nicht vollständig aufgeklärt worden.

Aber die Masche scheint auch hier zu durchsichtig: Letztlich war eben Wolfgang Harich ein unberechenbarer, für die - Vereinigten Geheimdieste aller Länder - gefährlicher, weil viel zu intelligenter, geistreicher, selbständiger Denker. Er durfte niemals mehr zu Einfluß kommen. Er hätte ja die Leute zu allzu ernsthaftem Nachdenken bringen können, sie auch durch sein gar zu groteskes Leben, das ebenso Mitleid erregen kann wie das eines gar zu intelligenten Clowns, zu stark emotional bewegen können ...

Und auch deshalb darf man es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht wirklich wagen, ein abschließendes Urteil über den Menschen Wolfgang Harich zu fällen. Darum ist ein vollständig schlüssiges und abgerundetes Lebensbild Wolfgang Harichs, das seinem Handeln voll gerecht werden würde, wohl heute noch gar nicht möglich. - Ist er "die" Inkarnation der DDR? Ist er das schlechthin Beste, was sie auf dem Gebiet der Geistigkeit überhaupt noch hatte an Lebendigkeit hervorbringen können? Denn diese Faszination an dem kombinierten "Hochstaplertum" von Intelligenz, Geistigkeit und grenzenloser kindlicher Naivität, die bleibt. Und wie wird auf die eine oder andere Weise nicht aus der Erinnerung zu tilgen sein, wenn auf die deutsche Kultur- und Geistesgeschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Rede kommen sollte.

"Der Geist ist ein Wühler," sagte Jacob Burckhardt. Und er wühlt manchmal auf gar zu unerwartete und darum auch gerne einmal aufregende Weise. Und dadurch wird der Geist - fast - wieder zu einem Stück Natur: Unbändig, ungezähmt, niemals vollständig erfaßbar, niemals vollständig verstehbar ....

(erarbeitet im Wesentlichen bis 26.7.09)

Literatur:

1. Bading, Ingo: Wie kam Stalin in die Mitte Europas? Kriegsziele der westlichen Demokratien seit 1941. Magisterarbeit an der Universität Mainz 1993
2. Harich, Anne: "Wenn ich das gewußt hätte ..." Erinnerungen an Wolfgang Harich. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2007
3. Harich, Wolfgang: Keine Schwierigkeiten mit der Wahrheit. Zur nationalkommunistischen Opposition 1956 in der DDR. Dietz Verlag, Berlin 1993
4. Prokop, Siegfried: Ich bin zu früh geboren. Auf den Spuren Wolfgang Harichs. Dietz, Berlin 1997
5. Harich, Wolfgang: Ahnenpass. Versuch einer Autobiographie. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1999
6. Harich, Wolfgang: Nicolai Hartmann. Leben, Werk, Wirkung. Königshausen und Neumann, Würzburg 2000
7. Prokop, Siegfried: Ein Streiter für Deutschland. Auseinandersetzung mit Wolfgang Harich 2002
8. Harich, Wolfgang: Nicolai Hartmann — Größe und Grenzen. Versuch einer marxistischen Selbstverständigung. Königshausen und Neumann, Würzburg 2004
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